Gérard Klein: Das Gambit der Sterne

Gérard Klein ist definitiv einer der bedeutendsten französischen Science-Fiction-Autoren. Er hat es sogar geschafft, ins Englische übersetzt zu werden. Hier soll eines seiner Erstlingswerke vorgestellt werden.

Für viele scheint die französische Science-Fiction mit Jules Verne (1828 – 1905) begonnen und auch geendet zu haben – zumindest außerhalb Frankreichs. Nach ihm dominierten englischsprachige Autoren wie H. G. Wells (1866 – 1946) das Genre. In den 1920er-Jahren begann das Goldene Zeitalter der Science-Fiction in den USA. Während viele englischsprachige Autoren auch außerhalb ihrer Heimatländer in Übersetzung erschienen, hatten es fremdsprachige Autoren schwer, sich im angloamerikanischen Raum zu behaupten.

Noch dazu brach nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Sputnik-Schock ein Wettlauf zwischen den beiden Großmächten ins All aus, was wiederum auch eine Auswirkung auf die fantastische Literatur hatte. Der technische Vorsprung, vor allem in der Raumfahrt, wurde so selbstverständlich mit den USA in Verbindung gebracht, dass sich sogar Autoren in nicht englischsprachigen Ländern englische Pseudonyme geben mussten, um verlegt zu werden.

Gérard Klein (geb. 1937) ist einer der wenigen französischsprachigen Autoren, die nicht nur unter dem eigenen Namen veröffentlichten und in Frankreich Erfolg hatten, sondern auch übersetzt wurden und sogar in englischsprachigen Ländern eine gewisse Bekanntheit erlangten.

Die Menschheit in der Galaxie

Gérard Klein hatte bereits im Alter von 18 Jahren seine ersten Geschichten in den Zeitschriften Galaxie und Fiction veröffentlicht. Sein erster alleine geschriebener Roman erschien 1958: „Le gambit des étoiles“ (deutsch: „Das Gambit der Sterne“). Das Buch erschien in mehreren Auflagen und wurde ins Englische, Türkische, Litauische und Rumänische übersetzt. (Eine deutsche Übersetzung ist mir nicht bekannt.)

Cover des Romans "Le gambit des étoiles"
Diese Ausgabe von „Le gambit des étoiles“ erschien 1986 in der Buchreihe Le Livre de Poche im Verlag Librairie Générale Française. (Bild: Librairie Générale Française, 1986)

In der zukünftigen Welt, die Gérard Klein beschreibt, hat die Menschheit die Erde verlassen und einen großen Teil der Galaxie besiedelt. Die Zentralregierung befindet sich auf einem Planeten im Umfeld des Riesensterns Beteigeuze. Der Protagonist ist Jerg Algan, der zu Beginn der Geschichte die Erde nie verlassen hat und auch nicht weg möchte, der aber überlistet wird, einen Vertrag zu unterzeichnen und dann doch die Reise zu den Sternen antreten muss. Dabei kommt er in den Besitz eines Schachbrettes, das eine besondere Bedeutung hat. Darauf spielt der Titel des Romans an, denn ein Gambit ist ein eröffnender Schachzug, bei dem absichtlich ein Bauer oder eine andere unwichtige Figur geopfert wird.

Der Roman handelt von der Herkunft der Menschen und ihrer eventuellen Rolle im Universum. Er bietet, wie damals üblich, viel „Fiction“, aber wenig „Science“.