Kosmische Immobilien: Wem gehört der Weltraum?

Als ein kleiner blassblauer Punkt erschien die Erde auf dem Foto, das die Raumsonde Voyager 1 am 14. Februar 1990 aus einer Entfernung von etwa sechs Milliarden Kilometern machte. Winzig ist nicht nur der Planet Erde im Verhältnis zu den Weiten des Universums, kleinlich wirken auch die Streitigkeiten der Menschen verglichen mit den Herausforderungen und Chancen des immensen Weltraumes mit seinen unzähligen Welten.

„Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum.“ So hieß es im Vorspann der 1966 ausgestrahlten Fernsehserie „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“. In anderen Science-Fiction-Filmen und Erzählungen ist es ebenfalls oft eine vereinte Menschheit, die den Weltraum erobert. Viele Autoren im Goldenen Zeitalter der Science-Fiction optimistisch in die Zukunft. Sie sahen nicht nur einen technischen Fortschritt voraus, sondern auch eine rationalere Zeit, in der die Menschheit ihre Spaltungen, Feindschaften, Vorurteile und Ideologien überwunden hat. Ein Beispiel dafür ist die von Gene Roddenberry geschaffene Star-Trek-Serie, in der die Enterprise im Auftrag einer planetaren Föderation durch die Weiten des Universums fliegt, und auch die Autoren der Perry-Rhodan-Romanserie nahmen eine terranische Union als Voraussetzung für den Erfolg der Menschen im All an.

Zögerliche Kooperationen

Es gab tatsächlich Anlass zur Hoffnung. Trotz des Kalten Krieges fand 1975 ein Apollo-Sojus-Testprojekt statt, bei dem ein Apollo- und ein Sojus-Raumschiff in der Erdumlaufbahn aneinander ankoppelten. Die Planetary Society organisierte 1987 eine Konferenz mit sowjetischen Wissenschaftlern mittels einer Satellitenverbindung. Dabei ging es unter anderem um eine gemeinsame Mission der USA und der UdSSR zum Mars. Eine verstärkte Kooperation war nach dem Ende des Eisernen Vorhangs möglich. Die Internationale Raumstation ist der bisherige Höhepunkt der internationalen Zusammenarbeit in der Raumfahrt. Neben der NASA und der ESA sind auch die Raumfahrtorganisationen Japans, Kanadas und Russlands an dem Unternehmen beteiligt. Allerdings ist die aufstrebende Raumfahrtnation China nach wie vor davon ausgeschlossen.

Aber diese Formen der Kooperation sind weit von dem entfernt, was sich frühere Visionäre erträumten. Bis heute ist die Erde in fast 200 Herrschaftsgebiete aufgeteilt, und längst tot geglaubte Dämonen der Vergangenheit, wie Nationalismus und religiöser Extremismus, sind wieder zum Leben erwacht. Die Gefahr der Selbstzerstörung mit Atomwaffen schwebt weiterhin wie ein Damoklesschwert über den Erdbewohnern.

Hoheitsansprüche

Auf der Erde unterliegt jeder Quadratkilometer Festland – von der Antarktis abgesehen – den Hoheitsansprüchen irgendeines Staates. Anders sind die Verhältnisse auf anderen Himmelskörpern, wo die Eigentumsverhältnisse von keiner staatlichen Gewalt geregelt werden und es vorerst keine Möglichkeit besteht, ein Stück Land oder einen Teil eines Asteroiden für sich zu beanspruchen und diesen Anspruch durch die Rechtsprechung zu verteidigen.

Im „Vertrag über die Grundsätze zur Regelung der Tätigkeiten von Staaten bei der Erforschung und Nutzung des Weltraums einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper“, den die meisten Staaten der Welt unterzeichnet haben, heißt es in Artikel 2: „Der Weltraum einschließlich des Mondes und anderer Himmelskörper unterliegt keiner nationalen Aneignung durch Beanspruchung der Hoheitsgewalt, durch Benutzung oder Okkupation oder durch andere Mittel.“ Als die Astronauten der Apollo 11 die amerikanische Fahne auf dem Mond platzierten, wurde betont, dass damit kein Hoheitsanspruch verbunden sei.

Claims im All

Solange nur Forschungsmissionen auf anderen Himmelskörpern landeten, stellten unsichere Eigentumsverhältnisse kein Problem dar. Sollten sich aber die Pläne mancher Weltraumpioniere verwirklichen lassen, könnten tatsächlich Konflikte im Weltraum entstehen. 2015 verabschiedete der amerikanische Kongress ein Gesetz, das den Bergbau im Weltraum legalisierte. Man dachte dabei vor allem an den Abbau wertvoller Metalle auf Asteroiden. Als zweites Land erließ Luxemburg 2017 rechtliche Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Nutzung des Weltraums. „Das Ziel ist nicht die Erforschung des Weltraums, sondern die Nutzung des Weltraums“, erklärte Vizepremier-, Wirtschafts- und Gesundheitsminister Etienne Schneider (Quelle: „Luxembourg‘s innovation is out of this world“, Scientific American Custom Media, May 15, 2017, page 2). Das Großherzogtum mag zwar auf der Erde vergleichsweise klein sein, bei der wirtschaftlichen Erschließung des Weltraums möchte es jedoch eine große Rolle spielen. Etwa 30 Unternehmen der Raumfahrtbranche sind in dem nur knapp 614000 Einwohner zählenden Land ansässig.

Vorerst sind es nur hochfliegende Pläne, die sich den kommerziellen Möglichkeiten jenseits der Kármán-Linie widmen. Sollten aber einmal tatsächlich Raumschiffe auf der Suche nach wertvollen Rohstoffen auf dem Mond oder auf Asteroiden landen, könnten sie dadurch gewichtige Fragen aufwerfen. Was würde geschehen, wenn Prospektoren verschiedener Länder den gleichen Asteroiden ins Auge fassten? Wie weit dürfte man sich der Mondbasis eines anderen Staates nähern? Was wären die Konsequenzen, wenn es einigen Visionären tatsächlich gelänge, den Mars zu besiedeln und dessen Umwelt gar durch Terraforming zu verändern?

In der Science-Fiction begegnen Raumfahrer oft Gefahren, die extraterrestrischer Natur sind. In der Realität des 21. Jahrhunderts kann es geschehen, dass irdische Konflikte im Weltraum fortgesetzt werden.

Die Menschheit ist auch im Raumfahrtzeitalter zersplittert wie ehedem. Seltene Rohstoffe können in Zukunft den Bergbau im Weltraum interessant machen. Aber was würde geschehen, wenn mehrere Staaten den gleichen Asteroiden für sich beanspruchten? (Bild des Asteroiden: NASA, Gesamtbild: A. Mößmer)