Die veränderte Zukunft: Zeitparadoxa in Science-Fiction

Zeitreisen sind ein beliebtes Thema in der Science-Fiction. Wenn man sich im Raum von einem Punkt zu einem anderen begeben kann, denken sich manche, vielleicht wird es einmal möglich sein, auch in der vierten Dimenstion, der Zeit, zu reisen.

Von einer Zeitreise handelte bereits die 1889 von Mark Twain veröffentlichte Roman Ein Yankee am Hofe des König Artus (A Connecticut Yankee in King Arthur’s Court). Der Protagonist wacht nach einem Schlag auf den Kopf im Jahr 528 am Hofe König Arthurs auf und erlebt dort allerlei Abenteuer. Am Ende der Geschichte versetzt ihn der Zauberer Merlin in einen Tiefschlaf, aus dem er erst 1300 Jahre später erwacht. Obwohl der Held des Romans die Vergangenheit beeinflusste, hat dies keine Auswirkungen auf die Gegenwart. Der Grund dafür: Mark Twain hatte schlicht und einfach keine Zeitreisegeschichte im Sinn, sondern eine Satire.

Ein gezieltes Reisen in der Zeit ist in der Geschichte Die Zeitmaschine (The Time Machine) von H. G. Wells möglich. Da hier die Zeitreise mit Hilfe einer technischen Erfindung möglich ist, zählt der 1895 erschienene Roman von H. G. Wells zur klassischen Science-Fiction und ist zu Recht einer der bedeutendsten frühen Werke des Genres. Die Zeitmaschine wurde mehrfach verfilmt.

Zeitparadoxa

Abgesehen davon, dass die Zeit keine räumliche Dimension ist und deswegen nicht einfach eine Parallele zur Fortbewegung von Punkt zu Punkt gezogen werden kann, ist mit der Zeitreise ein weiteres Problem verbunden: Sie könnte einen unlösbaren Widerspruch auslösen. Würde man beispielsweise in die Vergangenheit reisen, um Hitler daran zu hindern, die Welt mit Krieg zu überziehen, gäbe es später keinen Grund, in die Vergangenheit zu reisen, um ihn an seinen Missetaten zu hindern. Ebenso könnte man die eigene Existenz auslöschen, indem man in die Vergangenheit zurückkehrt, um die eigene Geburt zu verhindern. Aber wenn man nie geboren worden wäre, gäbe es auch niemanden, der in die Vergangenheit reisen und seine Eltern um ihre freudigen Erwartungen bringen würde.

Ein Yankee bei Aristoteles

Um ein solches Zeitparadoxon geht es in Ein Yankee bei Aristoteles (Aristotle and the Gun)von L. Sprague de Camp. Die Kurzgeschichte wurde erstmals 1958 in der Zeitschrift Astounding Science-Fiction veröffentlicht. Die deutsche Übersetzung erschien 1980 in einem Taschenbuch mit Erzählungen des Autors im Wilhelm Heyne Verlag.

Der Held der Geschichte ist Sherman Weaver, der sich mit Hilfe einer Maschine in die Zeit Philipps II. von Mazedonien katapultieren lässt. Dort möchte er Aristoteles treffen, der damals Erzieher Alexanders (später „der Große“ genannt) war. Weaver glaubt, dass das mangelnde Interesse des einflussreichen antiken Philosophen am Experiment den wissenschaftlichen Fortschritt während eines Großteils der nachfolgenden Geschichte verzögert hat, und versucht, den Gelehrten in die Richtung zu lenken, die er für richtig hält. Dadurch möchte er den Lauf der Geschichte so verändern, dass sich bereits Hunderte von Jahren vor dem zwanzigsten Jahrhundert die experimentelle Wissenschaft durchsetzt und die Zeit, aus der er kommt, von einer Art Superwissenschaft beherrscht wird.

Aber es klappt nicht alles so, wie er es geplant hatte, und als Weaver in seine eigene Zeit zurückkommt, muss er feststellen, dass sein Einfluss auf Aristoteles ganz andere geschichtliche Folgen nach sich zog, als er geplant hatte.

Cover des Buches "Ein Yankee bei Aristoteles
Das Buch „Ein Yankee bei Aristoteles“ erschien 1980 im Wilhelm Heyne Verlag. Es enthält sieben Science-Fiction-Geschichten von L. Sprague de Camp, darunter zwei Zeitreisegeschichten. (Bild: Karel Thole / Wilhelm Heyne Verlag)

Saurierjagd im Mesozoikum

Von Zeitreisen handelt auch die Kurzgeschichte Saurierjagd im Mesozoikum (A Gun for Dinosaur) von L. Sprague de Camp aus dem Jahr 1956. Die deutsche Übersetzung erschien im gleichen Taschenbuch aus dem Wilhelm Heyne Verlag wie die oben erwähnte Zeitreisegeschichte.

Da in der Gegenwart die größeren Wildtiere außerhalb der Parks bereits ausgerottet sind, bietet ein Unternehmen schießwütigen Großwildjägern Reisen in die ferne Vergangenheit an. Um Zeitparadoxa zu vermeiden, müssen diese Jagdausflüge weiter als das Jahr 100000 v. Chr. zurückgehen, da bei diesem großen zeitlichen Abstand die Handlungen der Expeditionsteilnehmer „mehr oder wenig im Strom der Zeit verloren“ gehen. In der Geschichte reisen die Trophäenjäger sogar 85 Millionen Jahre zurück – in die Zeit der Sauriere. Aber der Gefahrenfaktor Mensch spielt auch in dieser Geschichte eine herausragende Rolle.

L. Sprague de Camp (1907 – 2000) war ein sehr produktiver Autor. Er schrieb in seiner 50-jährigen Schaffenszeit über 100 Bücher. Dabei handelte es sich nicht nur um Romane, sondern auch um Sachbücher. Vielen ist er als Herausgeber und Autor von Conan-Geschichten bekannt. Sein bedeutendstes Werk ist wahrscheinlich Lest Darkness Fall von 1941. Eine deutsche Übersetzung und Bearbeitung erschien unter den Titeln Vorgriff auf die Vergangenheit und Das Mittelalter findet nicht statt.In diesem Zeitreise-Roman wird der Protagonist durch ein Gewitter in das Rom des Jahres 535 n. Chr. zurückgeschleudert. Mit Hilfe seines Wissens beeinflusst er die Vergangenheit und verändert so die Zukunft.
Über seine Tätigkeit schrieb L. Sprague de Camp: „Ich schätze meine Leser, weil sie es mir ermöglichen, ohne Arbeit zu leben. Ich tue nur, was ich gerne tue – Schreiben – und die Leute sind so vorschnell, dass sie mich dafür bezahlen.“

Bild der drei Autoren Robert A. Heinlein, L Sprague de Camp und Isaac Asimov
Drei Giganten der Science-Fiction: Robert A. Heinlein (links), L. Sprague de Camp (Mitte) und Isaac Asimov (rechts) (Bild: gemeinfrei)

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