Unsere seltsamen Nachbarn, Teil 2: Uranus

Alle Planeten unseres Sonnensystems entstanden etwa zur selben Zeit aus dem gleichen Urnebel. Um so erstaunlicher ist ihre Unterschiedlichkeit. Der siebte Planet, Uranus, ist eines der seltsamsten Gestirne, die um die Sonne kreisen. Seine ungewöhnlichsten Merkmale sind wahrscheinlich auf Ereignisse in der seiner Frühzeit zurückzuführen.

Am 23. März 1781 richtete der im englischen Bath lebende Astronom Wilhelm Herschel (1738 – 1822) sein selbst gebautes Spiegelteleskop auf den Nachthimmel, um nach unbekannten Objekten zu suchen. Er wurde tatsächlich fündig. Ein scheinbar bisher nicht bekannter Himmelskörper zeichnete sich als eine kleine Scheibe ab. Es konnte sich also nicht um einen Fixstern handeln. Herschel beobachtete das Objekt auch in den folgenden Nächten und stellte fest, dass der Lichtpunkt ein bisschen weitergewandert war. Er glaubte, einen Kometen entdeckt zu haben und machte seinen Fund in Fachkreisen bekannt. Und nun visierten viele andere europäische Sternwarten den Himmelskörper an.

Erst zwei Jahre später setzte sich unter den Astronomen die Erkenntnis durch, dass es sich bei dem von Herschel entdeckten Objekt nicht um einen Kometen oder Fixstern handelte, sondern um einen Körper, der die Sonne umkreiste. Das Sonnensystem besaß nun sieben bekannte Planeten. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Beobachtungen des am Berliner Observatorium wirkenden Johann Elert Bode (1747 – 1826). Man stellte auch fest, dass der Planet bereits in einigen früheren Katalogen als Stern eingetragen worden war. Bei der Benennung des Planeten folgte man der bisherigen Tradition und gab ihm den Namen einer antiken Gottheit: Uranus.

In Schieflage um die Sonne

Uranus war das erste neue Mitglied der solaren Planetenfamilie, das noch nicht in der Antike bekannt gewesen war. Die Astronomen fanden in der Folgezeit einige erstaunliche Fakten über den siebten Planeten heraus. Es handelte sich nicht nur um einen Riesen, der weit außerhalb der Saturnbahn die Sonne umkreiste, man fand nach und nach auch einige seltsame Eigenschaften heraus.

Ein Bild des Uranus, das von dem Raumraumteleskop Hubble gemacht wurde
Dieses Bild des Uranus wurde von dem Weltraumteleskop Hubble mit Infrarot-Filtern gemacht. Es zeigt Details der Atmosphäre sowie die Ringe des Planeten. (Bild:
NASA/JPL/STScI)

Bei den meisten Planeten steht die Rotationsachse ungefähr senkrecht zur Orbitalebene. Das heißt, dass sich der Äquator und die Umlaufbahnen der Planeten ungefähr in einer Ebene befinden. Eine auffallende Ausnahme bildet Uranus. Seine Rotationsachse ist um 97,77 Grad zur Bahnebene gekippt. Er umkreist die Sonne sozusagen auf der Seite liegend. Dies bedeutet, dass die Sonne während des 84 Erdjahre dauernden Uranusjahres zeitweise direkt auf einen der geographischen Pole scheint.

Aber das ist noch nicht alles. Auch das Magnetfeld ist gekippt, aber anders als die Rotationsachse. Die magnetischen Pole sind um 59 Grad von den geographischen entfernt. Sie befinden sich also näher am Äquator als an den geographischen Polen. Noch dazu ist die Achse zwischen den magnetischen Polen vom Planetenmittelpunkt um ungefähr ein Drittel des Radius versetzt. Zudem glaubt man, dass das Magnetfeld insgesamt vier statt zwei Pole besitzt.

Grafik des Uranus mit eingezeichneter Rotationsachse sowie dem Magnetfeld
Beim Uranus scheint einiges durcheinandergeraten zu sein. Die geografischen Pole liegen fast in der Orbitalebene, und das Magnetfeld ist um ein gutes Stück verschoben. (Bild: A. Mößmer)

Diese ungewöhnliche Ausrichtung und das seltsame Durcheinander der Pole könnte auf eine Kollision des Planeten mit einem oder mehreren Körpern zurückzuführen sein. Falls es sich um einen einzelnen Körper gehandelt hatte, könnte dieser doppelt so groß wie die Erde gewesen sein. Vermutlich ereignete sich der Zusammenstoß in der wilden Frühzeit unseres Sonnensystems vor etwa vier Milliarden Jahren, als noch mehr Objekte um die Sonne schwirrten und manchmal miteinander kollidierten.

Uranus zeigt, wie unterschiedlich die Entwicklung oder das Schicksal von Planeten verlaufen kann. Noch fremdere Welten können wir wahrscheinlich in anderen Sonnensystemen erwarten.

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