Unsere seltsamen Nachbarn, Teil 1: Hyperion

Saturn liegt zwar nicht in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, aber der Ringplanet ist Teil unseres Sonnensystem und befindet im kosmischen Maßstab sozusagen in unserem Hinterhof. Saturn wird wie die anderen großen Planeten von vielen Monden umkreist. Hyperion ist einer davon. Er ist zwar nicht wegen seiner Größe auffallend, und verspricht auch nicht, Leben zu beherbergen. Trotzdem zählt er zu den seltsamsten Objekten im solaren Hinterhof.

Hyperion gehört nicht zu den großen Saturn-Moden. Er ist aber in mehrfacher Hinsicht auffallend. Vom Saturn aus gezählt, ist er der siebte der 82 bekannten natürlichen Satelliten des Riesenplaneten. Seine Umlaufbahn liegt zwischen den bedeutend größeren Monden Titan und Iapetus.

Hyperion wurde 1848 von dem britischen Astronomen William Lassell sowie unabhängig davon von dem amerikanischen Astronomen William Cranch Bond und seinem Sohn George Phillips Bond entdeckt. Deswegen gelten alle drei Männer als Entdecker des Saturn-Trabanten. Zur Zeit seiner Entdeckung waren neben Titan und Iapetus bereits die Monde Rhea, Enceladus und Mimas bekannt.

Außer durch Teleskope konnten die Wissenschaftler den Saturn-Begleiter auch mit Hilfe der Cassini-Mission unter Augenschein nehmen (Voyager 2 flog ebenfalls durch das Saturn-System, konnte aber nur aus großer Entfernung den Mond fotografieren). Der Sonde gelangen in den Jahren 2005 und 2015 insgesamt drei Vorbeiflüge. Am 26. September 2005 nähere sie sich auf eine Entfernung von nur 500 Kilometern. Die Sonde lieferte von der Oberfläche Aufnahmen, die mit Teleskopen nicht möglich sind.

Taumelnd durch den Raum

Hyperion ist der größte der unregelmäßig geformten Saturn-Monde. Entlang seiner Längsachse misst er 360 Kilometer. Der kleinste Durchmesser beträgt etwas über 200 Kilometer. Die mittlere Dichte liegt bei 0,544 Gramm pro Kubikzentimeter, beträgt also ungefähr ein Zehntel der mittleren Dichte der Erde (5,514 g/cm3). Zu seinen auffallendsten äußerlichen Merkmalen gehört die rosige Färbung. Was ebenfalls ins Auge fällt, sind die vielen tiefen Krater, die dem Mond ein schwammartiges Aussehen verleihen.

Zur außergewöhnlichen Erscheinung Hyperions trägt seine Zerklüftung bei, wodurch er fast für ein riesiges Wespennest gelten könnte. Passend ist aber auch der Vergleich mit einem Schwamm. Tatsächlich hat er eine sehr geringe Dichte. Außerdem scheint er eine große Menge Wassereis zu enthalten. (Bild: NASA/JPL-Caltech/Space Science Institute)

Was ihn zu einer der außergewöhnlichsten Erscheinungen im Sonnensystem macht, sind aber die Bewegungen, die er vollführt. Hyperion dreht sich während seiner 21-tägigen Umkreisung des Saturn ungefähr alle 13 Tage um die eigene Achse. Dabei vollführt er eine chaotische Rotation. Dies bedeutet dass die Rotationsachse und die Rotationsgeschwindigkeit nicht genau vorausberechnet werden können. Den Wissenschaftlern sind bisher nur sehr wenige Objekte bekannt, die ähnlich chaotische Bewegungen vollführen.

Der Grund, warum Hyperion sich taumelnd durch den Raum bewegt, sind der Einfluss der Gravitation der großen Nachbarmondes Titan sowie die unregelmäßige Form Hyperions. Abhängig von der Position der beiden Gestirne zueinander ändert sich die Rotation des kleineren Körpers.

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